Warum beobachten wir was andere beobachten…

.. ganz klar ein Phänomen unserer Neuronen im Gehirn, genauer gesagt der sogenannten Spiegelneuronen in unserem optischen Interpretationssystem (SIS).

Möglicherweise ist Ihnen das Thema: Spiegelneuronen noch unbekannt? Gut, dann lesen Sie bitte zur Einführung zuerst den Artikel: Was sind Spiegelneuronen?

Das optische Interpretationssystem (SIS) ist ein kleines Gehirnareal, eine Art Spezialwerkstatt. Diese wertet alle optischen Signale aus, die es von unserer Sehrinde und damit von unseren Augen erhält. Es bewertet nur Handlungen von lebenden Akteuren, wie z.B. Blicke, Bewegungen, Mimik, Gesichtsausdruck. Mit dem Ziel, herauszufinden welche Absichten und Empfindungen ein Mensch verfolgt. Diese Informationen sendet es dann an verschiedene Spiegelzellen. Darüberhinaus organisiert es eine ganz spezielle Spiegelreaktion.

Dieses Gehirnareal achtet nicht nur auf die Blickbewegungen der Menschen die uns umgeben. Es sorgt vielmehr darüberhinaus dafür, dass wir unbewusst, spontan und intuitiv in die Richtung schauen in welche die anderen blicken. „Das spontane Einschwenken auf einen gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus, ist ein ständiges, fast unwiderstehliches Alltagsphänomen. Es gehört darüber hinaus zu den wichtigsten Vorraussetzungen für den Aufbau einer emotionalen Bindung.“, schreibt Prof. Bauer.

Was könnte dies für den Messealltag bedeuten?
Die meisten Menschen, die durch den Messegang eilen, blicken nach vorne auf den Gang. Der gemeinsame Aufmerksamkeitsfokus der Besucher ist also wahrscheinlich nicht auf einen Stand sondern leider auf den Gang gerichtet! Und gemäß den Aussagen von Prof. Bauer verspüren Menschen die mal nach links oder rechts schauen, das unbewusste Verlangen wieder auf den gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus einzuschwenken. Auf einer Messe könnte dies z.B. der Messegang sein. Schade für die Messestandbetreiber. Gibt es einen Weg aus dem Dilemma?

Da das optische Aufbereitungs- und Interpretationssystem nur auf lebendige handelnde Akteure reagiert, dürften wohl Splitwände die falsche Methode sein, um die Aufmerksamkeit auf den Stand zu lenken. Um ein Ausbrechen, aus dem gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokus zu erzielen.

Menschen achten eben auf Menschen.
Dieses Phänomen des gemeinsamen Aufmerksamkeitsfokuses zeigt sich auch immer wieder bei Messeshows. Die Hauptarbeit besteht tatsächlich darin, die Aufmerksamkeit der ersten fünf Besucher zu gewinnen. Sobald dies erreicht ist, wird es sehr viel einfacher.

Möglicherweise entsteht durch diese kleine Menschenansammlung, die auf Ihren Stand schaut, ein neuer gemeinsamer Aufmerksamkeitsfokus. Und da das STS der vorbeieilenden Messebesucher auf lebende handelnde Akteure reagiert, blicken intuitiv und spontan immer mehr Besucher auf Ihren Stand.

In den nächsten kostenlosen Messebriefen berichte ich über weitere „Spiegelphänomene“. Von denen ich denke, dass sie hirfreich sind für den Messedialog. Quellen werden genau wie diesesmal Bücher sein von u.a. Prof. Dr. Bauer, von Prof. Dr. Spitzer, von Bas Kast und Giacomo Rizzolatti.

Ja, Senden Sie mir Ihren Messebrief ab sofort zu!