Interview aus dem Fachmagazin: showcases! Über den State of the art von Messe-Infotainment

Intelligentes Messe-Infotainment lockt nicht nur viele , sondern vielmehr die richtigen Besucher an den Messestand. Showcases diskutiert im Gespräch mit Michael Kolb den State of the art.

Angelockt und angedockt

showcases 1.2009.

In den 90igern mußte eine Messeshow vor allem Aufmerksamkeit für den Stand erzeugen. Heute hat sich das Messemarketing Instrument Messe-Infotainment weiter entwickelt, zu einer wirksamen messbaren Vertriebsunterstützung. Einer emotionalen Brücke zu den Standmitarbeitern.

Herr Kolb, wir alle kennen das Gruselkabinett der Messeeventszene: Menschen mit blauen Perücken, schrille Bodypaintings, das sich auf einem Reifenstapel räkelnde Model. Wie sehen Sie den Unterschied zu einem modernen Messe-Infotainment?

Ein Messekünstler ist Botschafter Ihrer Firma. Er entzündet, mit der emotionalen Ansprache der Messebesucher, den ersten Funken Vertrauen in Ihre Firma. In Ihre Produkte und in Ihre Messemitarbeiter. Er sorgt also nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern informiert fundiert über den Produktnutzen und gestaltet die persönliche Überleitung zu den Messemitarbeitern. Das heißt der Infotainer muss sich im Detail mit dem Unternehmen und dessen Markt beschäftigen.

Wie entstand dieser Trend?

Durch die Rezession anfang dieses Jahrtausends. Die Messeverantwortlichen suchten nach Wegen Ihr Messebudget effizienter einzusetzen. Sie erkannten, dass eine Show sich nicht rechnet bei der keine direkten Kontakte zum Vertrieb entstehen. Und so verschwanden die großen pompösen Shows, wie sie um 2000 üblich waren.

Wie sehen dann heutige Messeshows aus?

Sicherlich werden nach wie vor Showmodule wie z.B. Zauberkunst, Artistik, Jonglage, Schnellzeichner, Tanz … eingesetzt. Denn ohne eine menschlich-emotionale Ansprache entsteht keine Aufmerksamkeit. Allerdings fungieren diese Showmodule heute als Eselsbrücken. Als Informationsträger nicht nur von Firmenwerten sondern von detaillierten Firmeninformationen. Und da dies ein Handwerk ist, bin ich der Meinung, dass der Messestandbetreiber eine Zufriedenheitsgarantie erwarten sollte.

Wie kann ich mir das konkret vorstellen?

Früher hätte man z.B. um den Wert: Dynamik zu kommunizieren eine mitreißende faszinierende Jongliershow engagiert. Nach der Show hätten sich die Messebesucher wieder zerstreut und man hätte gehofft, dass einige davon auf den Stand kommen.

Heute wird die Aktivierung aller Sinne der Gäste und die direkte Interaktion mit den Mitarbeitern angestrebt. Nehmen wir als Beispiel eine Show, die ich aktuell für einen Autoteilzulieferer auf zahlreichen Messen performe. Ausgangspunkt des Infotainments ist eine Zaubershow und die Zubereitung von Pralinen für die Gäste.

Die Werbebotschaften sind in die Texte der Zaubertricks eingebaut. Vereinfacht gesagt: Jeder magische Effekt steht sprachlich für einen speziellen Produktnutzen. Nach dem vorletzten Showmodul beginnt die eigentliche Arbeit – die Brücke zum Vertrieb. Dafür werden die Besucher beiläufig mit einigen Fragen qualifiziert. So dass ich weiß für welche Produktbereiche sich die Besucher interessieren. Ja, das ist möglich und funktioniert sehr gut. Da in der Show sehr detailliert über die Lösungen des Kunden gesprochen wird, bleiben vor allem Besucher stehen , die an diesen Themen interessiert sind. Und dann startet die Standführung. Gemeinsam gehen wir in das Standinnere -um die Lösungen in echt anzuschauen. Die Besucher laufen mit weil sie ein echtes Interesse an den Lösungen haben, weil sie ein weiteres magisches Erlebnis erwarten und weil sie mit einer kleinen lukullischen Leckerei verwöhnt werden, die während der Show von mir zubereitet wurde Und in den Produktbereichen übergebe ich die Messebesucher an die Vertriebsmitarbeiter. Das Vertrauen der Messebesucher in meine Arbeit als Messe-Infotainer wird dabei auf die Standmitarbeiter übertragen.

Bei einem großen Stand gehen die Messebesucher doch nicht mit Ihnen über den ganzen Stand?

Sie haben Recht. Und genau dafür gibt es das Messeshowformat tradefairjazz:

Die Messeshow besteht dabei aus einem allgemeinen Teil in welchem ein Überblick über das Produktportfolio vermittelt wird und mehreren spezifischen Module für die einzelnen Produktbereiche.

Die Show wird nun an mehreren Standorten auf dem Messestand präsentiert. Also Basisshow zuzüglich dem speziellen Teil für den jeweiligen Produktbereich. Entwickelt wurde dieses Format für einen 1000-qm-Messestand eines Weltmarktführers auf der Medica.

Und wie kann dann der Erfolg einer Messeshow gemessen werden?
Am direktesten über die Anzahl der qualifizierten Besucherberichte. Natürlich im Vergleich zum Vorjahr.


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